Projekt

THE MIDDLE PATH FOUNDATION

 

Die Vision

Das Ziel der Stiftung “The Middle Path Foundation” („Stiftung der mittlere Weg“) besteht zusammengefasst in Folgendem:

1. Es soll ein Ort für die Praxis und das Studium des Buddhismus in bewusstem Bezug zum westlichen kulturellen Kontext geschaffen und unterhalten werden. Dieser Ort  lässt sich durch die Offenheit leiten und inspirieren, die in der Vision von S.H. dem XIV. Dalai Lama enthalten ist, der aktiv den Dialog zwischen Buddhismus und westlichen Wissenschaften, zwischen Buddhismus und andern wichtigen Religionen, zwischen den verschiedenen Schulen des Tibetischen Buddhismus und zwischen Tibetischem Buddhismus und anderen Traditionen des Buddhismus führt und fördert. Dieser Teil des Projektes wird „The Middle Path fort he West“ („Der mittlere Weg für den Westen“) genannt.

2. Es sollen Aktionen, die beitragen, die Entwicklung  des Buddhismus in den Gebieten des historischen Tibets zu unterstützen und zu entwickeln geschaffen und aufrechterhalten werden. Dieser Teil des Projektes wird „The Middle Path for Tibet“ (“Der mittlere Weg für Tibet”) genannt.

 

Zum Begriff  „Mittlerer Weg“ (middle path);

 

Der Buddha erlangte die höchste Verwirklichung dadurch, dass er einen mittleren Weg verfolgte, welcher extreme Ansichten verwirft, die die Wirklichkeit so wahrnehmen, als bestünde sie aus isolierten, unabhängig existenten Gegebenheiten.

Eine Schlussfolgerung, die sich daraus ergibt ist die, dass wir Wahrheit nie durch das Verständnis von isolierten Positionen erfassen können, wir müssen vielmehr ihren Kontext und ihre Relativität verstehen. Darum ist auch der Buddhismus keine isolierte und unabhängige Tatsache. Er entstand in Abhängigkeit von kulturellen, historischen und psychologischen Faktoren. Indem sie diese Einsicht als grundlegend erkannt hat,  widmet sich die Stiftung „The Middle Path Foundation“ dem Erschaffen eines Ortes, wo Buddhistische Theorie und Praxis in bewusstem Bezug zum westlichen kulturellen Kontext, in den sie eingetreten ist, studiert und praktiziert wird. Das ist der „Middle Path for the West“.

Bewusstsein über den Kontext beinhaltet ebenfalls das Bewusstsein, dass der Tibetische Buddhismus im Westen nicht unabhängig von der schwierigen Situation, die im historischen Tibet vorherrscht gesehen werden kann. Dort ist nämlich wirkliche Religionsfreiheit nach wie vor beeinträchtigt. Die Sorge um die Situation in Tibet wird durch den „Middle Path for Tibet“ aufgenommen.

 

Die beiden sich abzeichnenden Bereiche können  noch detaillierter umschrieben werden:

I. The middle path in the West (Der mittlere Weg im Westen)

Das Bewusstsein über den Kontext im Westen beinhaltet Bewusstheit  über prägende psychologische, kulturelle und religiöse Faktoren der westlichen Welt. Aus diesem Grund sollte traditionelle buddhistische Praxis  und Theorie nicht unabhängig vom westlichen Kontext gelebt, gelehrt und studiert werden. Aus dieser Sichtweise ergeben sich viele mögliche Bereich für Studium, Lehre, Forschung und interkultureller Kommunikation. Vorderhand möchten wir folgende Bereiche hervorheben:

1. Studium des Buddhismus.

Als Grundlage für einen Dialog mit westlichen Werten soll  das Studium und die Lehre der traditionellen Inhalte des Tibetischen Buddhismus einschliesslich der Meditation zugänglich gemacht und gefördert werden. Dies soll mittels Belehrungen durch qualifizierte Lehrer und Lehrerinnen des Buddhismus, die an einem solchen Dialog interessiert sind, ermöglicht werden.

Dieses Studium des Tibetischen Buddhismus ermutigt nicht nur ein ernsthaftes, in die Tiefe gehendes Studium der Gelug pa Tradition, wie sie  hauptsächlich durch S.H. den Dalai Lama vermittelt wird, sondern soweit möglich ebenfalls ein Studium der Bezüge  dieser Lehren zu den andern bedeutenden Überlieferungen des tibetischen Buddhismus, nämlich derjenigen der Nyingma, Kagyu und Sakya. Auf diese Art soll ein Beitrag gegen sektiererische Abgrenzungen geleistet werden, ohne dass die Tiefe und der Reichtum geopfert werden sollen, die aus der Konzentration auf eine ausgewählte Tradition  entstehen. Entsprechend sollen LehrerInnen aus den verschiedenen Traditionen des Tibetischen Buddhismus eingeladen werden, die ihr Wissen über relevante Themen ihrer Tradition weitergeben und sich mit andern LehrerInnen und den Schülern darüber austauschen. Austausch soll auch gepflegt werden mit nicht Tibetisch Buddhistischen Traditionen wie Theravada und Zen. Das Studium soll auch die westliche historische Forschung und Kenntnis zum Buddhismus als Erscheinung, die in Abhängigkeit von Zeit und regionalen Einflüssen entstanden ist, integrieren.

2. Studium des Buddhismus im Kontext: Psychologie und Psychotherapie.

Die Inhalte des Buddhismus werden auf Gebiete des westlichen Wissens  und Forschung bezogen. Insbesondere soll die Beziehung zur westlichen Psychologie  ergründet werden. Gewicht wird auf die Psychologie von C.G. Jung gelegt werden, die bereits verschiedene Bezüge zum Buddhismus aufweist. Insbesondere vermeidet der zentrale Ansatz der Psychologie von C.G. Jung extreme Positionen und spiegelt dadurch die grundlegende Ausrichtung der Anschauung der Philosophie des Mittleren Weges. Das Studium der Jungschen Psychologie bringt auch eine Wertschätzung der archetypisch fundierten gemeinsamen Basis mit sich, die hinter den verschiedenen Formen der Religion und Mythologie wirksam ist.

Dieser Bereich beinhaltet ebenfalls die Erforschung der Beziehungen zwischen Therapie, psychologischer Beratung/Seelsorge und buddhistischer Meditation. Spezielle Beachtung wird Techniken gewidmet, die dem spontanen Ausdruck von inneren Inhalten Raum geben. Dazu gehören zum Beispiel  die Sandspiel Therapie, die auf der Grundlage der Jungschen Psychologie entwickelt worden ist,  und expressive Formen der Kunsttherapie. Bereiche der  Untersuchung können auch die Kombinationsmöglichkeiten von traditionellen buddhistischen Techniken der Meditation und westlichen therapeutischen Methoden zur Förderung von geistiger Entwicklung und geistiger Gesundheit sein.

3. Studium des Buddhismus im Kontext: Frauen und Buddhismus.

Ein wichtiger Bereich der sozio-psychologischen Realität, die sich im Westen entwickelt hat, besteht in einer neuen Definition der Stellung der Frau in der Gesellschaft, die mit der Position der Frauen in der Geschichte des Buddhismus kontrastiert.  Gleichzeitig hat der Buddhismus, speziell in seiner  tantrischen Ausprägung eine tiefe Vision der Würde des Weiblichen entwickelt, die dem neu erwachenden weiblichen Selbstbewusstsein im Westen eine neue Dimension zufügen kann. Darum kann eine Verbindung von buddhistischen Einsichten und westlicher Wirklichkeit  in diesen Fragen einen viel versprechenden Bereich darstellen.


4: Fragen der Geschlechtsidentität und Buddhismus.

Buddhistische Belehrungen sollten bezogen sein auf die Suche nach einer neuen Geschlechtsidentität in Männern und Frauen und neu entstehenden Formen der Beziehung, die im Westen an Bedeutung gewinnen. Wie andere Religionen ist der Buddhismus hauptsächlich von Männern für Männer begründet, gelehrt und von Männern praktiziert worden. Entsprechend der unterschiedlichen Entwicklung für Frauen und Männer sollte auch der geistige Weg bestimmte wichtige Unterschiede aufweisen. Das ist ein Bereich, der sorgfältig erforscht werden sollte.

5. Studium des Buddhismus im Kontext: Wissenschaft und Buddhismus.

S.H. der Dalai Lama hat die Notwendigkeit betont, dass die Mönche von traditionellen Tibetischen Klöstern sich mit westlichen Formen der Naturwissenschaft vertraut machen sollten. Entsprechend würden wir gerne die Wirkung der wissenschaftlichen Sichtweise auf die hergebrachte buddhistische Auffassung von der Welt und Impulse, die die philosophische Sicht der westlichen wissenschaftlichen Betrachtungsweise geben kann, studieren.

6. Studium des Buddhismus im Kontext: Verschiedene westliche Werte und Buddhismus.

Gewiss können auch andere Fragen aufgegriffen werden. Hier kann man zum Beispiel an die unterschiedliche Rolle der Lehrer und Lehrerinnen im traditionellen Buddhistischen Kontext denken. Ein weiteres, zum Teil damit verknüpftes Thema, wäre eine Reflexion des Gegensatzes zwischen tibetischen hierarchischen Systemen und den westlichen demokratischen Werten. Das hauptsächliche Anliegen ist die Bewusstmachung der Rolle des Buddhismus innerhalb einer  westlichen Gesellschaft im Unterschied zum traditionellen Tibet. Das beinhaltet auch die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Buddhismus zur Christlichen und Jüdischen Geistigkeit und anderen geistigen Strömungen, die den Westen beeinflussen und prägen.

II. The middle Path in Tibet (Der mittlere Web in Tibet)

In Tibet dem Ursprungsland des Tibetischen Buddhismus ist die Existenz des Buddhismus in Frage gestellt. Seine Entwicklung ist stark eingegrenzt worden. Das ist unter anderem durch die Flucht von wichtigen Lamas wie dem Karmapa sichtbar geworden. Die Freiheit der Praxis der Religion ist auch durch die Kampagne gegen den Dalai Lama als „Spalter des Mutterlandes“ beeinträchtigt. Die Stiftung unterstützt im Wesentlichen die Politik des Dalai Lama, die er als den „mittleren Weg“ definiert hat, solange er diesen Weg als den Besten ansieht.  Dieser Weg beinhaltet wirkliche Autonomie von Tibet innerhalb von China („Tibet“ beinhaltet sowohl die so genannte “Tibetisch Autonome Region” wie auch die Gebiete mit so genannten “Tibetischen Minoritäten”, die in verschiedenen chinesische Provinzen integriert worden sind.

Wir beabsichtigen auch eine aktive Unterstützung von Projekten, die dazu beitragen, dass freier Raum für die buddhistische Praxis in Tibet geschaffen wird. Dies kann die aktive Unterstützung von  monastischen Institutionen in Tibet beinhalten. sowie den Austausch von Dharmalehrern und Dharmalehrerinnen  zwischen dem Westen (Indien eingeschlossen) und Tibet. Möglich sind auch politische Initiativen, die die Menschenrechtssituation und Religionsfreiheit und wahre Autonomie fördern, z.B. durch Unterstützung  eine Dialoges zwischen Tibetern im Exil und China.